Manchmal kommt man sich blöd vor – dabei kann man gar nichts dafür. Auch ist man eigentlich gar nicht blöd, sondern nur beeinträchtigt. Nicht mental, sondern was die Wahrnehmung von Farben anbelangt. Immerhin leiden (ein wirkliches „Leid“ ist es nicht) neun Prozent der Männer an der Farbfehlsichtigkeit Rot-Grün-Sehschwäche. Das Unterscheiden von Rot- und Grüntönen fällt schwer. Und Nein, Ampeln können diese Menschen natürlich wunderbar und deutlich unterscheiden. Es handelt sich lediglich um eine Schwäche, keine Blindheit. Abgesehen davon weiß man ja, was oben und was unten auf der Ampel ist. Blöder Witz, der immer wieder aufkommt …
Wo ist man als z.B. Deuteranomaler (Ist das ein echtes Wort? Abgeleitet von der Deuteranomalie …) also im Alltag betroffen, wo kommt man sich, wie oben beschrieben, manchmal blöd vor? Zum Beispiel beim Kaufen von Kleidungsstücken. Nun kommt auch noch erschwerend hinzu, dass das meist künstliche Licht in einem Bekleidungsgeschäft die tatsächliche Farbe eines Stoffes ohnehin verändert. Ich habe einmal eine beige Jacke gekauft und erst nach einem guten halben Jahr herausgefunden, als ich gerade in vollem Sonnenlicht stand, dass die Jacke gar nicht beige, sondern grün war. Danke auch … Da gebe ich dem Laden die Schuld, weil sie so unmögliches Licht installiert haben.
Seitdem frage ich immer beim Einkaufen nach der Farbe. Und das ist der Moment, wo man sich blöde vorkommt. „Entschuldigen sie. Könnten sie mir bitte sagen, welche Farbe das ist?“ – Ohne Erklärung, wieso man so eine seltsame Frage stellt, hat man doch Augen im Kopf und kann doch sehen, um welche Farbe es sich handelt, geht so ein Einkauf nicht über die Bühne. Wobei selbst nach der Erklärung das Gefühl, man sei in den Augen der Verkäuferin nicht ganz richtig im Kopf, nicht abreißen will.
Neun Prozent der Männer haben das selbe Problem! Fragen die nie? Kaufen die sich nur schwarze und graue Bekleidung – weil man da nichts falsch machen kann?! Schicken die ihre Frauen los?
Erst gestern musste ich diese Frage nach der Farbe stellen und wurde wieder einmal schräg angeschaut. Dabei ist eine Deuteranomalie nicht schlimm, nicht ansteckend, es wurde nichts in der Erziehung vernachlässigt, das Schulsystem ist daran auch ausnahmsweise nicht Schuld. Trotzdem kam ich mir vor, wie ein Analphabet. Wie ich irgendwo mal hörte, fragen Menschen, die des Lesens und Schreibens nicht mächtig sind, auch oft ähnliche Fragen: „Könnten sie mir das bitte einmal vorlesen, ich habe meine Brille vergessen.“
In diesem Zusammenhang: In Berlin leben 164.000 Analphabeten. In Hamburg mehr als 80.000. Wobei vier Jahre zuvor „nur“ 60.000 Menschen nicht lesen und schreiben konnten. Tendenz in Hamburg also steigend …
Kommentar (1)
Neun Prozent! Hätte ich nicht gedacht.
Ist vermutlich auch der Prozentsatz an Vegetariern oder an Leuten die sich im Auto nicht anschnallen können oder die nicht mit Aufzug fahren oder die massive Angst vor Spinnen haben oder die eine Milch-Unbekömmlichkeit haben oder die schon die 3. Zähne mit 30 haben oder oder oder…
Den Otto-Normalverbraucher gibt es nicht!